Dienstag, 5. Februar 2013

Klassiker II

In der Philharmonie werde ich immer ein bisschen sentimental. Schließlich hab ich da zu Studienzeiten Karten eingerissen und Plätze zugewiesen. Im Gegensatz zu den klassischen grauen Kostümen heute haben wir damals königsblaue tragen dürfen, mit einem ebenso königsblauen Tuch mit weißen Tupfen, das bloß nicht kreativ um den Hals geschlungen werden durfte, sondern mit einem adretten Knoten vorne. Danach sind wir Türmädels oft noch um die Häuser gezogen. Der Gasteig liegt strategisch günstig in der Nähe vom Gärtnerplatzviertel.

Und nie werde ich den Blick einer damaligen schon etwas betagten Nachbarin vergessen, Sonntag abends im Treppenhaus, die die Antwort auf die Frage, wohin ich denn jetzt so spät noch unterwegs wäre - zum Arbeiten, in die Philharmonie- mit einem indignierten „Fillwas?“ und empörten Kopfschütteln quitierte…

Sehr schön war’s auf jeden Fall gestern. Smetana, Grieg und Dvořák, um uns herum mottenkugelt es ein wenig, da kann man die Gedanken fliegen lassen…

Warum schenkt die Solistin den Ihr überreichten Blumenstrauß ausgerechnet dem zweiten Hornisten von rechts? Hat er Geburtstag, findet sie ihn besonders nett? „oder vielleicht hat er einfach am besten gespielt“ gibt Herr Toni in der Pause zu bedenken.

Könnte man nicht beim Einreißen der Eintrittskarte jedem Gast ein Hustenbonbon reichen und in der Pause gäbe es Hustensaft for free im Schnapsstamperl für alle?

Kann Herr Toni eigentlich keine Minute still sitzen, wo er es doch daheim stundenlang schafft nahezu reglos mit der Fernbedienung in der Hand auf der Couch zu verharren? Hmm, die Fernbedienung…?!

Und was soll eigentlich diese Unart, direkt mit dem Schlussakkord fluchtartig den Saal zu verlassen, nur damit man der erste an der Bar/Garderobe ist, wertes Publikum?!

Trotzdem, es war ein wirklich schöner Abend und ich nehme mir ganz fest vor, wieder öfter Klavier zu spielen… Echt jetzt!

Aber zum Klassiker, das Thema, das der Praktikant so vorbildlich aufgegriffen hat...


Crespelle mit Spinatfüllung und alternativer Wickeltechnik…

(4 Personen)
Teig:
125g Mehl
250ml Milch
2 Eier
Ca. 20g geschmolzene Butter
1 Prise Salz

Die Zutaten zu einem Teig verrühren und ca. 1 Std. ruhen lassen. Falls einem der Teig dann für dünne Pfannkuchen etwas zu dick vorkommt evtl. noch einen kleinen Schluck Milch untermischen. Dann mit etwas Öl in der Pfanne zu 8 dünnen Pfannkuchen backen.

Füllung:
1 Schalotte, fein gewürfelt
½ Knoblauchzehe
400g Blattspinat, frisch oder TK aufgetaut
1 EL Butter
100g Frischkäse
50 frisch geriebener Parmesan
Salz, Pfeffer, Muskat

Etwas Bechamel, Tomatensauce und Parmesan oder Bergkäse zum Überbacken.

Schalotte und Knoblauch in der Butter anschwitzen, den Blattspinat waschen und tropfnass dazugeben, zusammenfallen lassen und kurz andünsten. Etwas abkühlen lassen, mit Frischkäse und Parmesan vermischen und mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.

Mit der Spinatmasse die Pfannkuchen füllen. Mit etwas Bechamel und oder Tomatensauce bestreichen und geriebenem Käse bestreuen. Bei 200° O/U Hitze ca. 15 min. überbacken.

Ich hab dieses mal die Pfannkuchen geviertelt und zu Hörnchen gerollt. Die lassen sich schön in kleine Gratinformen schichten und wären so auch eine schöne Vorspeise in einem kleinen Menü.



Kommentare:

  1. es mottenkugelt.. herrlich !

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    1. Diese wunderbare Wortneuschöpfung stammt leider nicht von mir, sondern vom genialen Gerhard Polt. Und sie ist so unglaublich treffend...

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  2. Also, das mit dem Hustenbonbon und dem Saft ist eine geniale Idee!
    Ich glaub sogar, dass der Saft gegen Geld reissenden Absatz finden würde und dann die älteren Damen gerne gleich noch einen nehmen würden...ist ja Medizin ...

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  3. "Und was soll eigentlich diese Unart, direkt mit dem Schlussakkord fluchtartig den Saal zu verlassen, nur damit man der erste an der Bar/Garderobe ist, wertes Publikum?! "

    Da sagst du was, Toni! Hier in Berlin sagt man: "Kultur ist, wenn man sitzen bleibst."

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    1. Und wenn die Künstler noch einen Vorhang nehmen, wenn die Leute wirklich am Gehen sind, haben Sie auch „Standing Ovations“. Aber die sind eh ja eh inflationär.

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    2. Richtig so, Christel...

      Das ist dann am besten, Gottfried. Dann stehen sie vor einem in der Reihe und man sieht nix mehr...

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  4. In der Kölner Philharmonie liegen Hustenbonbons aus, deswegen hustet es dort weniger dafür papierraschelt es wieder mehr ... ;)
    Und die Leute, die im Kino nicht den Abspann abwarten können ...

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    1. Stimmt, das sind die allerschlimmsten überhaupt und ständig bleiben sie dann auch noch direkt vor einem stehen und suchen was auf dem Boden...

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  5. Da muss ich jetzt an diese legendäre Mr. Bean Szene denken. Ha-le-luu-jaaaah!

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  6. Vorschlag für Herrn Toni: Drück ihm beim nächsten Mal eine Fernbedienung in die Hand, dann kann er bestimmt auch da still sitzen...

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  7. Die Vorstellung von Herrn Toni mit der Fernbedienung in der Filll...was? da werde ich noch tagelang drüber kichern können. Die Crespelle sind fabelhaft, die kann ich auch!

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    1. Den Herrn Toni mit Fernbedienung, etwas separat sitzend und dann vielleicht noch schwarzgewandet, würden die meisten für so eine Art Supervisor / Regisseur halten. Schätze der hätte viel Spaß dabei!

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  8. Ich glaube ja, dass klassisches Klavierspiel bei vielen Männern eine Art Fluchtreflex auslöst. Das ist tief verankert im neolithischen Unterbewusstsein. Wahrscheinlich hat es mal eine Säbelzahntigerart gegeben, die beim Angriff so ähnliche Töne ausgestoßen hat. Und da wird Mann dann halt unruhig.
    Vergiss nicht, den Herrn Toni auf dem Chaiselongue festzubinden, wenn du wieder öfters Klavier spielst!

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