Normalerweise beschweren sich die Leute ja immer, dass die Putzfrauen, 'tschuldigung die Reinigungsfachkräfte, nicht ordentlich genug sauber machen. Und dann das: In einem Dortmunder Museum hat diese Woche eine Putzfrau ein Kunstwerk geputzt und jetzt ist es keine Kunst mehr, sondern nur noch ein Haufen Holzbretter und eine Wanne und ein Schaden von 800.000€. Und das Publikum lacht sich klammheimlich eins ins Fäustchen.
Dabei weiß man doch seit der Badewannen- und Fetteckengeschichte von Beuys, das noch lange nicht alles Schmutz ist, was danach aussieht, vor allem nicht, in einem Museum. Vielleicht denken sich die Reinigungskräfte in der Stuttgarter Staatsgalerie auch, wenn sie die realistische Putzfrauenskulptur von Duane Hanson sehen "oh Kollegin ist schon da, machen wir schon mal im Nebenraum weiter!"
Man achte also den ehrbaren Beruf der Putzfrau nicht gering; um ihn ordnungsgemäß ausfüllen zu können, bedarf es nicht nur eines ausgeprägten Sauberkeitssinnes, auch elementare Grundkenntnisse der Chemie und Physik (Stichwort: Fenster streifenfrei putzen) sowie ein Grundstudium der modernen Kunstgeschichte sind unabdingbar notwendig. Finanzwirtschaftliche und anlagestrategische Kenntnisse könnten den Damen und Herren bestimmt zu dem einen oder anderen Nebeneinkommen verhelfen, so gut sind sie ja auch nicht bezahlt.
Und das, so hat ein italienischer Weinblogger herausgefunden, was der Kunde hören will, hängt von seinem Herkunftsland ab. So z.B. möchten die Italiener, Familienmenschen die sie sind, etwas über den Erzeugerbetrieb und seine Familiengeschichte hören, Engländer bevorzugen eher Details über die messbaren Eigenschaften und der Deutsche, der sucht das "Gute an sich", der sieht nicht nur den Wein, sondern auch eine metaphysische Komponente … oder so, nachzulesen hier.
Und nun gehe ich meiner Aufgabe als Blogsommelière nach und kredenze zu Tonis wunderbarem kleinen Herbstmenü die passenden Weine aus dem 180°-Keller.
2009 Les Calcinaires blanc
Domaine du Gauby, VdP des Côtes Catalanes°°
eine Cuvée aus Muscat, Macabeu – eine Rebsorte, die man hauptsächlich aus Spanien kennt, aber das ist ja auch nicht mehr so weit weg – und Chardonnay. Der Wein ist angenehm trocken, er duftet nach Limetten, Mango und Blüten, hat am Gaumen feine Zitrusnoten und eine fast schon filigrane Eleganz, dabei eine durchaus frisch, leichte Mineralnote und mittellanger Abgang. Ein guter Einstieg in einen gemütlichen Abend.
2009 Gewürztraminer Kastelaz
Elena Walch, Südtirol°°°
Fast schon goldgelb funkelnd, wunderbarer Duft nach reifen Birnen, nach frischem Hefezopf, nach Rosenblüten und Rosenwasser und Weihnachtsgewürz, am Gaumen spielen diese feinen Aromen alle noch einmal zusammen, der Wein ist weich und doch klar und fest strukturiert, perfekte Harmonie zwischen anregender Säure und milder Süße, Extrakt, alles in einem feinen langen Abgang endend.
Das Feldsalatsüppchen muss nicht zwingend einen Wein haben, ich bin kein Freund von Wein zur Suppe, ich finde das verwässert die Aromen sowohl der Suppe als auch des Weines. Und wenn einer unbedingt einen Schluck Wein dazu braucht, dann ist sicher noch ein bisschen vom Gauby übrig.
2007 Riesling Kastanienbusch GG
Ökonomierat Rebholz, Pfalz °°°°
Schon fast wuchtig zu nennen, wunderbarer Duft nach Pfirsich und Zitrusfrüchten, am Gaumen diese klare Riesling-Eleganz gepaart mit Kraft und Schmelz, stattliches Säuregerüst, vollendet von einer wunderbaren Mineralität. Dieser Wein kann auch als Solitär genossen werden, aber zu diesem kräftigen Gericht mit einfacher und klarer Aromatik bildet er einen spannenden Gegenpol.
Zum Schluss das Dessert, Hagebutte und Marone, herbstliche Süße, hocharomatisch und dazu natürlich einen feinen Süßwein, ein Rieslaner
2008 Randersackerer Sonnenstuhl Rieslaner Auslese
Weingut Schmitt's Kinder, Franken (0.357 l)°°
In der Nase neben Aromen von getrockneten Aprikosen und Birnen auch eine erdige Mineralnote, am Gaumen zart schmelzig ohne klebrig zu wirken, Aromen von Pfirsich und Apfel, feine Mineralik, feines Süße-Säurespiel, geschliffener recht langer Abgang.
Jetzt noch einen Espresso und vielleicht ein Schnäpschen, das war aber wieder ein gelungener Abend.
Prost!
Ein angenehmes Wochenende


Die Putzfrauen bei uns im Ruhrpott sind sehr ordentlich. Vielleicht hatte sie auch schon Wein verkostet.
AntwortenLöschenMuss man solche "Kunst" immer gleich erkennen. Egal ob "Fettecke" oder ein "weißer Rand", wie bescheuert muss man sein, wenn man für diesen "Rand" 800.000 € bezahlt. Ich fass es nicht!
AntwortenLöschenWenn es danach geht: In unserer Küche findet man auch gelegentlich weiße und auch andersfarbige Ränder. Sollte sich jemand dafür interessieren, ich würde sie für weniger als 800.000 anbieten, quasi lauter Schnäppchen! ;-)
Trüge die arme ordnungsverliebte Dame einen berühmten Namen, hätte das Objelt nach der Reinigung vermutlich einen weitaus höheren Wert als den des Verlustets.
AntwortenLöschenUnd die Moral von der Geschicht: Namen sind eben doch so unwichtig nicht!!!
Dass Freitag Weintag ist, bekomme ich heute übrigens gleich doppelt zu spüren, beidesmal ein Genuss :o)
Vergnueglich zu lesen, liebe Susa!
AntwortenLöschenSchöne Weinauswahl. An den Weine des Herrn Oekonomierates merke ich immer wieder, dass ihr Deutschen eindeutig ein Gen für höhere Säuretoleranz habt, das mir fehlt.
Moderne Kunst geht über naturalistische Darstellungen in Öl auf Leinwand hinaus und kann sich, wenn man sich vor Ort darauf einlässt, durchaus als sehr interessant und anregend herausstellen. Aehnlich wie Avantgarde in der Gastronomie. Daher finde ich so manche aus der Ferne und ohne jede Hintergrundinformation abgegebene veraechtliche Beurteilung (nicht hier sondern in anderen Medien) zumindest ignorant.