Mittwoch, 13. Juli 2011

Praktikantenjahre sind keine Herrenjahre


„Pah!“ Werdet ihr sagen, „früher, da musste der Stift noch parieren! Aber heutzutage ist so eine Ausbildung ja fast wie im Sanatorium“

Zugegeben, meine Cheffinnen sind nicht nur unglaublich klug und gebildet, sondern auch noch ausgesprochen attraktiv. Man kann es sich als Praktikant nicht besser wünschen; könnte man meinen.

Allerdings sind die Ladies auch gleichermaßen in ihrer Sache engagiert und um eine sehr fundierte und umfassende Ausbildung bemüht. Insofern sollte niemand glauben, dass der Praktikantenalltag ein Zuckerschlecken ist.

Allein dieses eeelende Berichtsheft ist ja fast schon eine Tortur; wo doch jeder weiß wie sehr ich Berichtsheftschreiben hasse. Und dann diese Wochenend- und Weiterbildungstermine. Die darf man eh schon nicht unterschätzen, aber wenn denn auch noch eine von den Cheffinnen dabei ist.

Also ich will Euch mal ein Beispiel machen und einfach meinen letzten Berichtshefteintrag hier reinstellen; so kann sich jeder selbst ein Bild machen, dass so ein Praktikantenleben wahrlich kein Leichtes ist:




Gut, dann trage ich hier gleich mal nach: Winzer Peter Jacob Kühn, Riesling Trocken „Quarzit“ und den Jahrgang hätte ich auch rausgefunden, wenn es den Wein denn gegeben hätte…

Stimmt, Grundinformationen zum Thema Ahr sind wichtig und unverzichtbar:

Von der gesamten deutschen Rebläche, die mit etwas über 100.000 ha taxiert wird, was weniger ist als das Bordelais (ca. 120.000 ha und der Vergleich ist Pflicht), entfallen auf die Ahr gerade mal um die 550 ha, also etwa 5 Promille. Der Großteil dieser Fläche (80%) liegt auf Steillagen bzw. extremen Steillagen. In der Hauptsache (ca. 85%) wird Rotwein angebaut, davon ist wiederum der Spätburgunder mit rd. 67% der Hauptvertreter. insgesamt seien 45 rote und 22 weiße Rebsorten zugelassen.



Seufz, nicht nur dass ich dieses blöde wirklich wichtige Berichtsheft führen muss darf, jetzt geht auch noch das mit den „Verkostungsnotizen“ los. „Augenverdreh“; Aber gut wenn es denn unbedingt sein muss:

Chateau Mouton Rothschild, 1985, Pauillac°°°°°:

Im Glas Granat mit rubinroten Reflexen. Vielschichtige Nase; Kaffee, Graphit natürlich, Kakao und auch etwas Mineralisches.

Im Mund wiederum Mineral, Chassis und weiterhin Graphit. Sehr guter, anhaltender Abgang.





Und wenn jetzt die Bemerkung kommt, dass Susa das aber besser kann, dann muss ich darauf aufmerksam machen, dass ich an diesem Abend noch deutlich mehr zu tun hatte:




Kommentare:

  1. Ein klarer Fall für die Jugendvertretung der Gewerkschaft. Muss sich ein Praktikant wirklich so behandeln lassen? Ich wünschte, ich könnte helfen!!!

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  2. Danke Peter,

    ein wahrer Freund!!!

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  3. Kühn war, ist und bleibt 2007. Schmeckt nächstes Jahr auch noch. Versprochen!

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  4. Das ist ja zum Weinen wie heute mit der "Jugend, ähhh, den Praktikanten" umgegangen wird, da muss man sich nicht wundern, dass keiner mehr eine Ausbildung machen möchte! Ich denke in Deinem Betrieb liegt es eindeutig daran, dass es mit der Frauenquote übertrieben wird. Wenn ich -mich irgendwie für- dich
    ein(er)setzen darf, gerne!!!

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  5. susa, ich finde es unverantwortlich, den Bub soviel Alkohol trinken zu lassen! Das würde es bei mir nicht geben!

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  6. @Christin es wäre ja nicht mal so wegen dem Kühn gewesen ;-)

    @Klärchen: Das stimmt natürlich genau, was Du so schreibst. Andererseits stehen einem nach so einem Praktikum praktisch alle Türen offen. Aber wenn Du Dich wirklich mal einsetzen tun tätest, dass man nicht immer den Kellerschlüssel vor mir versteckt! >kiss<

    @Toni: Nein, nein, so war das nicht! Alkohol habe ich praktisch gar nicht getrunken. Dass in den Schnaps beim einen Winzer die Sonne reingeschaut hat, habe ich gerochen, da musste ich nicht probieren. (b.t.w. schuldeingestehende Reaktion des Mitarbeiters: „das macht der Senior, das hat mit uns gar nichts zu tun“) Und das andere war ja nur Wein!

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  7. Praktikanten lässt man normalerweise mit dem Hohenloher Verrenberg üben, bevor sie sich an den teuren Bordeaux wagen dürfen.

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  8. Oooch Robert, der Verrenberger Verrenberg ist jetzt so schlimm auch nicht; da war doch mal was mit dem Deutschen Rotweinpreis, irgendwie.

    Okay, ist aber trotzdem eine ganz andere Preisklasse, aber so sind sie halt die Cheffinnen; scheuen weder Kosten noch Mühen; letzteres besonders wenn Sie mir auferlegt werden können ;-)

    Aber ich merke schon, die eidgenössischen Praktikanten haben es auch nicht leicht...

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  9. Ich glaube, wir fühlen alle mit Dir!

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  10. Wie Kellerschlüssel verstecken??? Lassen sie Dich aus dem Keller nicht raus oder nicht rein? Wobei ich denke es ist ja beides schlimm! Kommt man nicht rein, häuft sich die Arbeit so derartig an und kommt man nicht raus, bekommst Du womöglich noch Depressionen, weil Du kaum Tageslicht siehst..... alles sehr bedenklich

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  11. @Gourmet-Büdchen
    natürlich nicht REIN, noch isser nicht so weit...

    @Gottfriedle
    Ich denke ja schon manches mal, dass wir, also Toni und ich, es nicht leicht miot dir haben, dir die Grundbegriffe des Kochens und des Guten Tonms in der Küpche beizubringen,abermit susa möchte ich denn doch nicht tauschen ;o)

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  12. Für diesen Beitrag hast du definitv ein Bienchen verdient. Irgendwer schrieb neulich doch irgendwo, dass man bei der Lehre zum Wein gleich mit den großen Gewächsen anfangen sollte und nicht ewig auf dem Aldi-Niveau rumhühner muss, dass wäre schliesslich nur Zeitverschwendung :-)

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  13. @Sewwi ich danke Dir von Herzen!

    @Gourmet-Büdchen: Nicht rein in den Keller darf ich. Ich mein wie soll ich denn ohne was mitzubringen auf den vielen Praktikantenpartys erscheinen? Mit Mangel an Tageslicht habe ich jetzt nicht so sehr Probleme; bin mehr Typ Eule ;-)

    @Suse: Du hast Recht; mir tut sie auch leid; aber es war ein wenig Verstärkung dabei…

    @Andrea: oh ja, das stimmt, vielen Dank. So ein Bienchen habe ich wirklich verdient. Und wer auch immer das mit dem Wein gesagt hat, hat Recht! Wobei der Lars letztens meinte „GG steht für großes Grinsen (beim Winzer)“.

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  14. Gottfried, da setzt man das große Vertrauen in Dich und übergibt Dir einen solchen Wein zur Verkostung und dann diese läppische Verkostungsnotiz. Was haben wir den vorher alles durchgesprochen, Kennzeichen gereifter Bordeaux, farblich, aromatisch, geschmacklich, wie beschreibt man den Körper und die Textur eines Weines. Dass ich Dir die qualitative Gesamteinordnung und die persönliche Wertung erspart habe, war doch wohl Entgegenkommen genug.

    @all, die auf die Mitleid heischenden Bemerkungen unseres Praktikanten hereingefallen sind, tja dem Vernehmen nach hat er die Nächte des Fortbildungswochenendes nicht alleine verbracht, sag ich nur. Soviel zum Thema vorbildliche Dienstauffassung.

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  15. @Susacheffin: Körper und Textur; da legst Du aber schon sehr die Finger in die Wunden. Ich meine was verstehe ich schon von dererlei Sachen?

    Also wenn ich mal annehme, dass so ein fetter, buttriger Kalifornien- Chardonnay mollig ist, also viel Körper hat, und ein, sagen wir mal Trollinger dünn, Dann ist der Mouton ein Modell. Ist „Traumkörper“ eine zulässige Terminologie?

    Textur ist noch schwieriger; Man sollte ja glauben, dass etwas was schmeichelt, als besonders angenehm empfunden wird. Aber cremig darf man sich so einen Mouton nun auch wieder nicht vorstellen; eher ja druckvoll vielleicht; also wie wenn der Mund ein Instrument wäre und der Wein darin Geschmack spielt. Ja, dass ist dann schon ein beeindruckendes Konzert, das dieses Mal allerdings eher in einem Rahmen stattfand, der an die Berliner Waldbühne erinnert.

    Was man allerdings sonst so „vernimmt“ ist ja schon überraschend. Aber das ist halt Praktikantenschicksal. So oder so…

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  16. Gottfried, ich habe geweint. Soviel Elend ist kaum zu ertragen. Wenn ich an diese roten Pamphlete am Rande der Berichte denke, wird mir flau.

    Mein Mann und ich haben lange Jahre an der Ahr gewohnt und kennen praktisch jeden Rebstock mit Namen. Bei Problemen bezüglich der verlangten Ergänzungen wende dich vertrauensvoll an uns. WIR haben ein gutes Herz.

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  17. Schnuppschnuess, dann muss ich Dir ja sicher nichts über den bevorzugten schwarz-grünen Fußballverein von Winzer Kreuzberg erzählen. Mit dieser Erwähnung hätte der Gottfried bei mir natürlichen einen gewissen Sympathiebonus erlangen können und ich hätte darüber hinweg gesehen, dass er bei Kühn natürlich mal wieder das Anbaugebiet vergessen hat.

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  18. Dieser Argumentation kann ich mich nicht verschließen. Ganz schön schwierig mit euch.

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  19. @gottfried
    Das mit dem Senior würde auch gern ab und zu mal sagen dürfen...

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  20. Liebe Jutta,

    da geht mir das Herz auf, ob Deines wohlwollenden Mitfühlens und dem Hilfsangebot, das gar nicht hoch genug geschätzt werden kann.

    Und die Situation bei uns ist gar nicht sooo schwierig; im Grunde ist sie sogar ganz einfach: die Scheffinnen haben das letzte Wort; Punkt.

    @Susa: grmpfhgrummRheingauhätteichnochschreibensolllenrotwerdundso… Am zweiten Spieltag hat dann der Kreuzberg praktisch ein Heimspiel und der Schnaitmann ein Auswärtsspiel.

    @Lars: das ist bei Dir schwieriger; erstens könnt Ihr nicht auf unterschiedliche Produkte verweisen und zweitens hätte der viel zu viel Schiss um irgendwo die Sonne reinscheinen zu lassen.

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