Freitag, 1. Juli 2011

Der Wein zum Tussiteller



Diese Vokabel verdanke ich der Eline und Chefin Süd hat natürlich die déclinaison absolu du plateau pouffe  also den ultimativen Edeltussiteller entwickelt.

Thusnelda, das Hermanndenkmal, Hermann und Thusnelda
Die meisten halten den Begriff Tussi für eine neuzeitliche Wortschöpfung, die wenigsten wissen, dass er auf die cheruskische Fürstentochter Thusnelda zurückgeht, die dann den Arminius geheiratet hat oder besser von ihm geheiratet wurde, denn zu diesem Zwecke hat er sie kurzerhand entführt. Genau der Arminius resp. Hermann, der die Römer damals in der VarusHermannsschlacht (na, wann war das? Richtig 9 nach Christus) so vernichtend geschlagen hat, der mit dem Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald, das vom Schulausflug mit den vielen Stufen.

Und Thusnelda vor allem in der Koseform Tusschen war lange Jahrhunderte in deutschen Haushalten ein ehrbarer liebe- und respektvoll gemeinter Name, bis er dann irgendwann im 19. Jahrhundert zum Kosewort für vierschrötige, rückständige und nichtsdestotrotz recht dominierende Ehefrauen wurde. Und aus der Thusnelda bzw. dem Tusschen wurde dann die Tussi. Und was eine Tussi ist, wissen wir doch alle, obwohl natürlich niemand eine im näheren Bekanntenkreis hat.

Dem Vernehmen nach ist das Standardgetränk der Tussi der Prosecco.

Auch so ein armer gebeutelter Wein, der genau wie sein Kompatriot der Lambrusco mit elenden Vorurteilen zu kämpfen hat. Der eine ist als Pennerglück verschrien, der andere als klebrig süßes Sprudelgesöff, dem sich kein wahrhaft aufrechter Weinliebhaber auch nur auf 10 Meter nähert, und Männer schon mal gar nicht. Der Genuss auch nur eines Glases Prosecco soll nicht weiter bestätigten Informationen zufolge bei Männern verstärkte Brustbildung, Testosteronverlust und Anstieg der Stimmhöhe zur Folge haben, zudem wurde auch der Verlust kognitiver Fähigkeiten festgestellt, wie das Erkennen einer Abseitsfalle, eines Ferrari GTB Fiorano im Rückspiel  oder das zielsichere Aufspüren einer Sportsbar mit Großbildschirm am Urlaubsort.

Und so nimmt es nicht wunder, dass man die Rebsorte Prosecco per Dekret vom 17. Juli 2009 kurzerhand in Glera umtaufte, um so der normativen Kraft des Faktischen folgend als Prosecco nun auch mit hochoffizieller Billigung nur noch Weine eines bestimmten Herkunftsgebietes zu bezeichnen unabhängig von etwaigen Rebsorten, nämlich die Weine aus definierten Gebieten in Friaul und Venetien, egal ob nun spumante (also schäumend), frizzante (perlend) oder tranquillo (Stillwein).

Aber egal was die italienischen Weinbehörden alles beschließen, für die gemeine Tussi ist Prosecco ein Sektchen, ein trockenes, klar doch, steht doch auf der Flasche Pro-secco oder steht secco für Sekt? Egal! Stößchen!

Da haben es richtig feine Prosecci dann schwer. Erstens kosten richtig feine Prosecci nicht 2.99 beim Discounter sondern sind schon ein wenig teurer. Zweitens schmecken sie nicht bonbonmäßig und süß, sondern haben feine definierte Aromen und drittens verzichten sie auf so ein ChiChi wie blaue Flaschen in billigem Designerlook.

Und so schließt sich der Kreis, zu Tonis Büffelmozzarella mit Ofentomaten, Basilikumpesto und Tomatenmousse gibt es einen feinen Prosecco, denn auch so etwas findet sich im 180°-Weinkeller.


Tomaten sind ja immer eine Herausforderung für den Sommelier. Hier haben wir Glück. In Form der Ofentomate sind Tomaten etwas einfacher zu handhaben, sie haben einiges an Säure verloren, abgesehen davon dominiert bei diesem Gericht aromatisch das Pesto.

Wir haben es mit einem leichten, eleganten Sommergericht zu tun und dem stelle ich als Begleiter zu Seite


Prosecco di Valdobbiadene DOC
spumante brut
Trevisiol, Valdobbiadene, Venetien
°°


aus Chardonnay und Pinot Bianco (also Weißburgunder) und mit 12 vol% Alkohol ausgestattet. Ein sommerlich frischer weich schäumender Prosecco mit angenehmer Perlage, der dem Gaumen schmeichelt und die Süße der Tomaten und die aromatischen Zutaten fein herausstreicht und nicht ohne Biss ist. Ein richtig guter Schaumwein darf sich ja nicht nur in wattehafter Zartheit ergehen, er muss auch eine würzige knackige Note aufweisen, um wirklich erfrischend und klar zu wirken.

Der Prosecco von Trevisiol hat all das, er ist von hellgoldgelber Farbe, in der Nase ein wenig undefinierte Frucht und Blütenduft, am Gaumen weich und saftig, Aromen von Pfirsich, Zitrusfrucht, Mandel und Honig, durchaus nachhaltig, zum feinen Abgang hin ein wenig Gewürz und eine zart-elegante Bitternote.

Den sollte man ruhig gut gekühlt genießen, der macht gute Laune und Lust auf mehr und er eröffnet zusammen mit den Capresetörtchen auf wunderbare Weise ein kleines sommerliches Menü, das er durchaus auch von Anfang bis Ende begleiten kann, wenn z.B. Fisch und frische knackige Gemüse und zum Schluss etwas Erdbeeriges vertreten sind.

Prost!


Kommentare:

  1. Susa,
    die moderne Tussi trinkt Aperol Sprizz. Aber für Edeltussis ist natürlich ein so feiner Prosecco wie dein empfohlener angebrachter.

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  2. Was trinkt dann eigentlich die Obertussi?

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  3. Ach deswegen hat sich unser Praktikant noch nicht am Proseccoregal vergriffen :))))

    Liebe sewwi,
    Eline und ich - bekennende Edeltussis :o) - trinken o.g. von susa. Wie definierst Du denn die Obertussi?

    Stößchen!

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  4. Ich sag´s ja: Prosecco statt Wasser! ;-)

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  5. Liebste Toni!
    Was weiss denn ich! Ich kenn den Begriff nur vom Hörensagen - ich wusste bislang ja nicht einmal, was Tussis überhaupt sind und dass es da Unterscheidungen gibt. Dafür weiss ich jetzt aber, was zwei Sorten (oder heisst es Unterarten??) trinktechnisch bevorzugen.

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  6. Ich weiß ja nicht was die Obertussi trinkt, aber deine Empfehlung ist sicherlich nicht zu verachten, solange man nicht übertreibt:

    Proooosecco

    :-)

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  7. Dass es bei den Tussis jetzt auch noch Eskalationsstufen, wollte sagen Ränge gibt, ist mir allerdings auch neu. Interessant fand ich allerdings auch, dass sich just gestern der Klimek in der ZEIT auch dem Thema Prosecco gewidmet hat (der hat jetzt auch genug Zeit dazu).

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  8. Ich kann euch nur zustimmen: Prosecco statt Wasser. Was genau Prosecco heißt weiß ich nicht. Aber secco heißt trocken und das hat Sinn.

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  9. Keine Tussi im näheren Bekanntenkreis?? Diese Lücke muss umgehend geschlossen werden - mit einem leckeren Prosecco versteht sich!! :)

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  10. Die Obertussis trinken "Hugo". ;-)

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