Freitag, 27. März 2015

Weinrallye #84 - Deutscher Sekt



Deutscher Sekt, flaschenvergoren, also méthode traditionelle, das Thema der heutigen Weinrallye, ausgerichtet von drunkenmonday, bekanntermaßen einer meiner Lieblingsweinblogs. Aber mit den Weinrallyethemen macht er es mir immer schwer, man erinnere sich noch an den Wein unter 5€.

Denn ich muss sagen, dass die Beziehung zwischen mir und dem deutschen Sekt eine Beziehung voller Missverständnisse war. Erinnerungen an elterliche Feste, vor allem Karnevalsparties, der deutsche Sekt floss in Strömen, Sinnbild des Wirtschaftswunders. Und außerdem war er unverzichtbar für die kalte Ente, eine Art Bowle, in die mein Vater eine lange Zitronenschale hängte. Niemand verstand die Kunst besser, eine Zitrone (Apfelsine, Apfel etc.) zu schälen ohne auch nur einmal abzusetzen und eine wunderbar geschwungene Schalenschlange zu erzeugen.

deutscher geht's nicht: Sekt und O'Saft


Und immer zitierte einer den Werbespruch: In die Hände, meine Lieben, wurde Euch MM geschrieben. Folgt den Zeichen der Natur, trinkt Matthäus Müller nur!

Sektschale, schön aber unpraktisch
Wurde Sekt in den 50er Jahren (das weiß ich allerdings nur von Bildern) aus dünnwandigen Flöten
genossen, so setzte sich in unserem Haushalt dann später die Sektschale (siehe rechts) durch, Inbegriff der Eleganz. Soll sie doch nach dem Busen der Marie-Antoinette gestaltet worden sein. Oder war es doch die Nitribitt? Dass der Sekt bei dieser Oberfläche schnell schal wurde, schien niemanden zu stören. Er wurde sowieso mit Orangen- oder Grapefruitsaft gemischt, oder – Gipfel der Dekadenz – mit Campari.

Ich war froh, dass in den 80er Jahren dann der Kir die Haushalte eroberte, der verlangte nach einem Crémant und der deutsche Sekt entschwand aus meiner önophilen Reichweite. Nicht dass ich ihn vermisst hätte.

Und Herr susa ist wie allgemein bekannt sowieso kein Freund jeder Art von Blubberwasser. Lediglich die Champagner unserer Freundin Lucette kommen ihm in den Keller. Natürlich nicht alle, nur die Spitzencuvée.

Bis eines schönen Tages in der Pfalz.

Freitag, 20. März 2015

Im Märzen der Bauer…




…schon lange nicht mehr seine Rösslein sondern seinen Fendt, John Deere, Deutz-Fahr oder sonstwas einspannt. Genau wie den meisten von uns kribbelts den Landwirten (zumindest denen, die ich persönlich kenne) bei den ersten frühlingshaften Sonnenstrahlen mächtig in den Fingern, so dass sie ihr äußerst langsames Gefährt mit den überdimensional großen Hinterrädern alsbald wie möglich aus dem Schuppen holen und sich auf ihren Feldern an die Arbeit machen. Natürlich gibt es auch eine wirtschaftliche Motivation, denn schließlich sind die Felder ihr Kapital und wenn diese nicht bestellt werden, dann kann auch nicht die Kasse klingeln.

An so einem herrlichen Frühlingsanfang wie heute bei strahlendem Sonnenschein macht es vermutlich jedem mehr Spaß sich nach draußen zu begeben, an der frischen Luft tätig zu ein und seinem winterbedingten Vitamin-D-Mangel den Kampf anzusagen.

Ich für meinen Teil muss gestehen, dass ich auch nichts dagegen habe, das schöne Wetter bei einem Spaziergang oder auf einer sonnenbeschienen Bank zu genießen. Die Arbeitet auf meiner zu bewirtschafteten Nutz- und Zierfläche läuft schließlich nicht weg ;o)

Außerdem habe ich im Gegensatz zum Ackerbeschicker bereits im Spätherbst vorgesorgt. Die einen könnten meinen, ich sei zu spät dran gewesen, ich behaupte ganz frech, dass ich das alles mit ins Kalkül gezogen habe und somit in Kürze bereits Spinat und Feldsalat aus dem Hochbeet ernten kann.

Noch ist es aber nicht soweit, so dass ich meiner aktuelle Laune auf frische Frühlingsküche anders nachkommen muss. Und so schwenke ich von grün auf orange, greife mir ein paar saftige Karotten (es können ruhig Lagerkarotten sein) und koche ein frühlingshaftes…

Montag, 16. März 2015

Alles nur kein Dinner



Begonnen hat es damit, dass ein Mittag- oder Abendessen, zu dem es vorweg eine Suppe und hinterher was Süßes gibt, zum Menü erklärt wurde. Weitergegangen ist es dann mit dem unsäglichen „Punktabzug“, der wahlweise durch Gastgeber oder Gast erfolgt.

„Oops! Die Zitronentarte ist leider gestürzt; müsst Ihr mir halt einen Punkt abziehen.“ „Foie gras geht gar nicht; das gibt Punktabzüge.“ Ganz davon abgesehen, dass „geht gar nicht“ sowieso auf den Index gehört.

Aber ganz groß ist nun, dass man niemand mehr zum Abendessen einlädt, sondern ein „Dinner gibt“. Komischerweise ist  man aber nicht mal enttäuscht, wenn der Besuch nicht im Tuxedo erscheint und hat solchen bei genauer Betrachtung noch nicht mal selbst im Schrank. 

Ist ja nicht mal mehr Kreuzfahrerpflichtgarderobe; da gilt auch nur noch selten „Black Tie“. 

Aber dafür gibt es nun landauf, landab Dinner bis die Schwarte kracht. Vermutlich zunehmend mit Wohnungsbesichtigung, Unverträglichkeitspflege und Quotenveganer.

Und auch ich überlege, ob für die nächste Einladung ein Sprecher engagiert werden soll, der hin und wieder aus dem Hintergrund seine Anmerkungen macht.

Hilfreich ist auf jeden Fall die „Dinner-Ravioli“, die ich dem Witzigmann geklaut habe und die ich aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten so bezeichne.

Montag, 9. März 2015

Geht los!



"Katze oder Garten?" Die Kollegin zeigt auf meine zerkratzten Unterarme. Zweiteres! Wir waren am Wochenende fleißig und haben bei strahlendem Sonnenschein den Garten frühlingsfit gemacht. Beete freigeräumt, letzte Heckenschnittarbeiten samt Häckseln, Kompost verteilen, erste Saatkörner ausgebracht und das erste mal gegrillt. Die Frühjahrsblüher strahlen auch schon um die Wette, so dass ich hiermit die° 180 Garten- und Grillsaison eröffne!

























Aber bevor es so richtig losgeht, machen wir erst noch mal einen Frühjahrsputz in Tiefkühltruhe und Gefrierschrank mit:

Freitag, 27. Februar 2015

Weinrallye #83 - Wein in Film und Fernsehen





Lieber Regisseur, lieber Drehbuchautor, liebe Requisite ...

Du willst einen Film drehen, und es soll auch um Wein gehen. Prima! Ein ganz tolles Thema. Der Weintrinker ist doch quasi der Topos des bildungsbürgerlichen Snob. Da kann man voll in die Klischeekiste greifen.

Tja, und hier fängt es an.

Die Weinfreaks, Winzer oder sonstigen Weinfachleute fragen sich regelmäßig angesichts von Weinthemen im Film: Wer in aller Welt hat Dich denn beraten, als Du Deinen Film gedreht hast? Wahrscheinlich niemand, ein bisschen gegoogelt werdet ihr haben, wenn überhaupt; das sollte doch auch reichen. Und dann fragen wir uns immer noch, wenn es in einem Film statt um Wein um andere Fachgebiete z.B. Whisky oder Modellautos geht, ob das genauso schlampig inszeniert ist. Wahrscheinlich.

Als ob es darauf ankäme, wendest Du ein! Es geht doch um die Wirkung, schließlich ist das kein Dokumentarfilm.

Trotzdem gestatte mir, Dir für Deinen nächsten Film im Weinmilieu wenigstens ein paar Basics mitzugeben, dann können wir Wein-Nerds uns auf die Filmhandlung konzentrieren und müssen nicht zum Beruhigungsbier greifen und dabei den entscheidenden Hinweis auf den Mörder verpassen.

Aaaalso, hier ein paar Dinge, die mir so hin und wieder mal aufgefallen sind (Eigentlich wollte der Leo daraus noch ein Bullshitbingo basteln):

rechts: klassische Rieslingflasche
(Schlegelflasche)
1. Es ist eher unwahrscheinlich, dass ein Riesling aus einem Traditionsweingut in einer Bordeauxflasche abgefüllt wird.

2. Apropos Bordeauxflasche: Wenn schon ein Château Lafite in Deinem Film vorkommt, dann erkundige Dich, wie eine Flasche Lafite aussieht, so (Bild links) jedenfalls sieht weder ein Lafite, noch ein Margaux noch sonst ein Bordeaux aus. Und ein Lafite ist kein Grand Cru Classé sondern ein Premier Grand Cru. Und wird nicht mit 2 t geschrieben, jedenfalls nicht DER Lafite.

3. Es wird nicht "Monntraschett" ausgesprochen sondern "Mongraschee" und dabei handelt es sich immer um Weißwein.

4. Lobenswert, dass Du Deinen Protagonisten den Wein beschreiben lässt. Allerdings, sei versichert, nicht alle Weinliebhaber näseln dabei und dass ein Rotwein Pfirsich- und Stachelbeeraromen hat, ist eher unwahrscheinlich.

5. Alte, sehr alte Weine sind, so es sich um Rotwein handelt, nicht blickdicht und dunkelviolettrot und hinterlassen beileibe keine Kirchenfenster am Glas.

6. Ja, der Herr Parker bewertet die Weine in einem Punkteschema, aber es hört sich wirklich blöd an, wenn jemand sagt: Der Parker hat den Wein 95 Parkerpunkte gegeben! Übrigens heißt der Robert mit Vornamen, nicht Richard, so was kann man aber doch wirklich googeln.

7. 1976 ist beileibe kein grandioser Bordeauxjahrgang.

8. Weinliebhaber fassen das Glas niemals an der Tulpe an und ja, sie schwenken es wenig und riechen daran, bevor sie einen eher kleinen Schluck nehmen. Dabei spreizen sie keinesfalls den kleinen Finger ab. Und sie kommentieren auch nicht jeden Schluck.

reine Folklore
9. Und lass Dich lieber nicht zu Details der Weinerzeugung aus, es sei denn, Du bist selber Winzer oder kennst einen, der Dich berät. Glaube mir, heutzutage werden die Trauben nicht mehr mit den Füßen in Bottichen getreten.

Natürlich kommst Du ganz einfach aus der Nummer raus, indem Du einen Phantasiewein einbaust (und Dich über seine Herstellung freundlich ausschweigst), da musst Du auf keine Realität Rücksicht nehmen.

So etwas ist selten besser gelungen als in der wunderbaren kleinen Szene in "Otto, der Film", in der Johannes Heesters als Zitat seiner selbst in der Gosse liegend einen "Château Reibach" trinkt, mit viel Ehrfurcht aber dennoch aus dem Plastikbecher. Hier stimmt einfach alles, sieh selbst.

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