Freitag, 27. Mai 2016

Wein küsst Kulturerbe - Weinrallye #98

"Mach das nicht!!!" meinte die Susa noch. "Wein & Kultur ist wirklich nicht dein Thema."

Ich natürlich wieder mal keine Ahnung, was sie meint, und überhaupt habe ich ja auch einen Kultur-Block im Praktikum. Außerdem, was soll da schon schwierig sein? Einfach kurz einen kleinen Oper-Exkurs, und darlegen, dass Dom Perignon nun gar nicht zur Madame Butterfly passt. Oder dass Naturweine und "das Mädchen mit den Schwefelhölzern" auch keine so prickelnde Zusammenstellung ist? Während zu "Hoffmanns Erzählungen" praktisch jeder Wein geht?

Ich meine, das müsste auch Susa einsehen, dass das epochale Erkenntnisse sein könnten. Zumindest, wenn man tatsächlich Wein während der Oper trinken tun täte. Aber nein, man schläft ja. Oder unterhält sich mit der Nebensitzerin. Wenn man sehr eifrig sein möchte, kann man auch  noch die Handlung kaputt-bravisieren.

Aber einen Wein, kann man leider nicht mit aufs Parkett nehmen. Entfällt also, das Thema. Hätte vielleicht doch auf die Susa hören sollen.

Quatsch, kann ja immer noch umgekehrt. Also die Kultur der Zecher. Beseelt vom regen Austausch und berauscht von den kühnen Ideen des Abends, beginnt der Spontan-Poet zu deklamieren: "Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken..." Leider passt der begleitende Trollinger auch nicht so recht. Weder zum vorbildlichen Versfuß, noch zur makaberen Geschichte." Hätte vielleicht doch auf die Susa hören sollen.

"Der Begriff Kulturerbe ist bewusst weit gewählt, denn Ihr könnt Euch sowohl Schlösser..." *Lichtblitz:  wen Gott arm machen möchte, den lässt er ein Schloss erben.

Mittwoch, 4. Mai 2016

Rhabarer-Rhabarber-Rhabarber

Heute erzähle ich Euch mal was ganz tiiiiief aus dem meinem Nähkästchen.

Als ich noch jung und unbelastet war und dachte, ich forder das Jahrhundert in die Schranken, wollte ich Schauspielerin werden. Ganz ernsthaft. Und bereitete mich intensiv auf die Aufnahmeprüfung an Deutschlands renommiertesten Schauspielschulen vor. Also auf alle, nach dem Motto: Eine wird mich schon nehmen. So denken alle. Man sieht dann beim Vorsprechen auch immer dieselben Gesichter.

Das ist bei allen dasselbe, man muss ein paar Rollen vorspielen. Bei mir kamen da eher die gestandenen, handfesten Charaktere infrage, beispielsweise die Johanna (kann ich heute noch im Tiefschlaf)

 ... Geh hin! Du sollst auf Erden für mich zeugen.
In raues Erz sollt du die Glieder schnüren,
Mit Stahl bedecken deine zarte Brust,
Nicht Männerliebe darf dein Herz berühren
Mit sünd’gen Flammen eitler Erdenlust ...

oder die Lady Macbeth. Und beim Lear hätte man mit mir wohl eher die Goneril oder die Regan besetzt und die nicht die liebreizende, edle Cordelia. Das Ätherische, jugendlich Naive war nicht so mein Fach. Julia, Ophelia, Gretchen - das war bin nicht ich.

To make a long story short. Mehr als ein müdes Abwinken der damaligen Prüfungskomissionen habe ich nicht erreicht (was ich den Herrschaften im Nachhinein noch nicht einmal übel nehmen kann).

Was das mit Rhabarber zu tun hat? Kennt doch jeder, wenn man als Statist am örtlichen Stadttheater im Hintergrund Gespräche zu murmeln hatte, was murmelte man da so vor sich hin? Rhabarberrhabarberrhabarber... Wenn man einen Texthänger hatte (natürlich nur in der Probe .....), womit überbrückte man schnell drohende Stille? Rhabarberrhabarberrhabarber...  Im Nachhinein will mir scheinen, mein halbes Leben bestand aus Rhabarberrhabarberrhabarber.., weil ich ständig irgendetwas auswendig zu lernen hatte und deswegen auch ständig irgendwo hängen blieb.

Letztendlich hab ich dann "was Ordentliches studiert." Sehr zur Freude meiner Eltern.

hängt auch
Zum Rhabarber: Die Gartenfrucht bzw. das Gemüse (jawohl, Rhabarber zählt zum Gemüse) war eigentlich nicht so sonderlich beliebt. So sauer und wenn man reinbiss, hinterließ er immer so ein seltsames Gefühl an den Zähnen.

Nun habe ich aber vor einigen Jahren in einem Anflug von Übermut Rhabarber in den Garten gesetzt. Sehr zur Freude meiner Nachbarin, die mag den sehr und ich kann ihn gegen Salat und Gurken tauschen.

Aber heute hat's mich überkommen. Wenn ich schon Rhabarber im Garten habe, dann soll der bitte auch zu etwas gut sein. Zum Beispiel für Rhabarbersirup! Mit dem kann man geschenkten Sekt zu einem kleinen Cocktail mischen! Noch'n Zitronenschnitz rein, fertig ist das sommerliche Getränk. Oder mit kaltem Sprudel als Schorle trinken.

Oder man gibt den Sirup pur auf Vanillepudding, so wie früher. Man kann den Sirup auch unter gefrorene Vanilleeismasse geben, dann bekommt man ein leckeres Rhabarbereis. In diesem Fall für die Eismasse nur die halbe Menge Zucker nehmen. Oder, oder ... es fallen Euch sicher noch viele andere Verwendungen ein.

So ein Sirup ist schnell gemacht. Man nehme für

Freitag, 29. April 2016

Über den Dächern von Nizza - Weinrallye #97



Ich bin eine treue Seele.  Wenn ich jemanden oder etwas liebe, dann hält das ein Leben lang.

Zum großen Leidwesen von Herrn susa betrifft das auch Filme, die ich schon in meiner Jugend geliebt habe. Und die ich immer wieder sehen muss. Wann immer mein all time favourite "Casablanca" im Fernsehen gezeigt wird, bin ich dabei. Natürlich kann ich sämtliche Dialoge sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch fehlerfrei nachsprechen ("What's your nationality?" – "I'm a drunkard!" – "That makes Rick a citizen of the world!").

Ein anderes cineastisches Must ist "Über den Dächern von Nizza!" (To catch a thief), das allerdings über weite Strecken im benachbarten Cannes spielte. Die Villa von John Robie (dem hinreißenden Cary Grant) liegt übrigens in der kleinen Gemeinde St. Jeannet in der Rue de Saint-Jeannet Nr. 335 (entspricht der Départementale Nr. 18). Falls jemand mal wegen eines Fotos vorbei fahren möchte. 

Donnerstag, 21. April 2016

ZEIT Kochtag: Rezepte von guten Freunden – Kochen mit Freundin




Es sollte ein gemütlicher Abend werden. Herr susa befand sich dienstreisehalber in Brüssel und rettete mit seinem Chef die Welt oder wenigstens die EU. Ich wollte den freien Abend nutzen, ausgiebig im TV zu zappen, mir eine Quarkmaske ins Gesicht zu schmieren und mich mit einem feinen Rotwein und der Mummeldecke aufs Sofa zu fläzen.

Doch dann kann alles anders. Kurz nach 17:00 Uhr ging das Telefon. Schön, so eine Rufnummernanzeige. Gaby, eine alte Schulfreundin. Oh ja, jetzt ein bisschen ungestört ratschen, auch nett. "Hallo, Gaby!" – "Gabriele!" verbessert sie.

Gaby-Gabriele und ich gehören der Nachnachkriegsgeneration an, in der Eltern ihren Kindern gerne launige Teenagernamen gaben wie Gaby, Inge, Birgit oder Bärbel. Die Mädels mutierten etwa ab ihrem 40. Geburtstag allesamt zu Gabrieles, Brigittes, Ingrids und Barbaras. Hiermit danke ich meinen Eltern und weiteren Familienangehörigen, die seit meiner Geburt dagegen angekämpft haben, dass mich auch nur irgendwer Susi nennen durfte. Nur Oma vwG nannte mich stur "Sanna" in Gedenken an ihre Schwester, nach der ich meinen Namen habe. Kann ich gelten lassen.

"Ich bin in der Gegend. Schlosshotel W. Du weißt schon. Wieder so ein dämliches Managementseminar, ohne dass man heutzutage keine Beförderung mehr bekommt. Noch einen Abend mit dem Ringelpietz halt ich nicht aus. Ich komm zu Euch auf ein Glas. OK?" Sehr OK. "Gut, ich bin in ungefähr einer Stunde da." Schlosshotel W. liegt nur ca. 15 km entfernt und hat sich auf Seminar- und Konferenzbetrieb spezialisiert. Die einheimische Bevölkerung sieht inzwischen mit Augenbinden versehene und an der Hand durch den Schlosspark geführte oder an Seilen zerrende Mittvierziger mit derselben Gelassenheit wie ein Londoner den Morgennebel an der U-Bahnstation.

"Oh ja, komm rüber. D. ist in Brüssel, wir können uns einen richtig netten Mädelsabend machen, mit Sekt und so. Ich koch was Kleines." Aber wirklich nur was Kleines, meint Gaby-Gabriele. Es habe schon ein Viergangmenü zu Mittag gegeben, wegen der informellen Kommunikation, und am Nachmittag Kaffee und Kuchen. Da passe jetzt nicht mehr viel in den Magen.

Ich hab auch gar nicht viel im Haus. Für mich sollte es nur aus den Grillhühnchenresten von gestern mit ein wenig Dosenaprikose, der ihrer Verwendung harrenden traurigen halben Porreestange und einer selbst gerührten Mayonnaise einen kleinen Geflügelsalat geben. Mit einem aufgebackenen Brötchen von gestern. Resteverwertung. Heutzutage wird viel zu viel weggeworfen. Dabei lässt sich aus Resten meistens etwas Wunderbares zaubern. Aber bitte nicht wieder den Spruch von den armen Kindern in Afrika, die froh wären, wenn sie noch so ein schönes kaltes Huhn bekämen.

Nun heißt es improvisieren. Mit ein paar Handgriffen leidlich Ordnung schaffen im Esszimmer. Das Gesicht wieder demaskieren. Das dauert ja endlos, Quark ist hartnäckig. Kühlschrankinspektion. Dort finden sich noch ein paar braune Champignons, die auch schon bessere Zeiten gesehen haben.

Das könnte ein nettes kleines Hühnerragout geben für ein old school Pastetchen. Die Zeit, beim Bäcker im Nachbarort Blätterteigpastetchen zu besorgen, reicht gerade noch. Alles andere muss und wird sich finden. Ganz wichtig: Zuerst mal zwei Flaschen Schampus kaltstellen. Fangen wir mit dem Guten von Lucette an. Falls noch eine zweite Flasche gebraucht wird, kann es auch der einfache sein. Wird wohl nicht dazu kommen. Gaby-Gabriele muss ja noch fahren.

Der Nachtisch wird eine Reminiszenz an unsere kleine WG zu Studentenzeiten, die wir nach dem Abitur bezogen haben, und wo wir Proseminarthemen, Weltrevolution, Liebeskummer und Geldsorgen gemeinsam besprachen: Gabys Rezept für Plätzchenpudding, inspiriert von ihrem ersten Urlaub nach dem Abitur nach Portugal.

Den gab es damals eigentlich ständig: Wenn das Herz schwer war und die Tränen flossen. Wenn der Monat noch viele Tage und das Portemonnaie nur noch wenig Geld hatte, gab es den Plätzchenpudding warm, der machte erst mal satt. Und wenn die Zeit fürs Lernen knapp wurde und man deswegen die Nächte durcharbeiten musste, gab es ihn zusammen mit tassenweise starkem Kaffee.

Kein kulinarisches Weltwunder, nein Jugenderinnerung, Soulfood und außerdem ließ mein übersichtlicher Eiervorrat die Herstellung der ansonsten bei derartigen Spontanessen servierte Crème brûlée (hallo Astrid!) nicht zu.

Gaby-Gabriele hatte es wohl nicht mehr erwarten können, ihrem Seminar zu entfliehen. Ich war kaum 5 Minuten vom Bäcker zurück, da klingelte sie auch schon an der Tür.

Herzliche Umarmung, als ob wir uns erst gestern gesehen hätten. Dabei lag das letzte Klassentreffen doch auch schon wieder … wirklich, schon sechs Jahre? Wie die Zeit vergeht? Hach, Du hast Dich gar nicht verändert. Aber ich brauche täglich länger dafür. Oh ja, ich muss auch wieder dringend zum Nachfärben.

"Kann ich helfen?" Wir stehen in der Küche wie früher in Köln. Jede ein Glas Champagner in der Hand. "Klar, schau mal, was Du noch aus den Champignons machen kannst. Und aus dem Weißen vom Porree kleine Halbkreise schneiden. Dann das Hühnerfleisch in kleine Würfel schneiden." Gaby arbeitet zügig und akkurat, Porreestreifen, Champignons putzen und blättrig schneiden, Hühnerfleisch sehr gleichmäßig würfeln. Wir arbeiten wie früher Hand in Hand. Alles fein separat in Schüsselchen bereitgestellt. Auch wenn Freund Konsti immer sagt, dass Mise en place nur etwas für Weicheier sei.

Pastetchen in den Backofen, auf 160° stellen und aufbacken.

Ich schwitze eine klein gewürfelte Schalotte mit Butter in der Pfanne an, bestäube sie mit etwas Mehl und gebe dann die Poreestreifchen dazu, mit ein wenig Hühnerbrühe ablöschen (habe Gottseidank immer einen kleinen Vorrat selbst gemachte). Ein bisschen schmoren lassen, während wir die Familienangelegenheiten durchgehen und schnurstracks zu den ehemaligen Schulkameradinnen kommen (Mädchenschule, Nonneninternat, als nix mit Kamerad_innen). Sabines Mann ist ihr abgehauen, mit einer Abiturientin. So ein Ar***!! Manuela lebt schon seit 25 Jahren in Ecuador. Wir schauen uns ihre Bilder auf facebook an. Eine ihrer Töchter hat letztens geheiratet. Bilder von glücklicher Braut und ebensolcher Mutter. Die Tochter ist eine ausgemachte Schönheit. "Kann sie aber nicht von der Mutter haben!" Großes Grinsen, alles wie früher. Und Beate ist immer noch so fromm und beim Opus Dei. Ungläubiges (sic!) Kopfschütteln. Und Irmi ist damals nach Poona und heute noch bei den Bhagvanis. Hat inzwischen dort Karriere gemacht und jettet nun zu Ehre und Reichtum des seligen Shree Rajnesh durch die Welt. Auch ein beeindruckendes facebook-Profil mit viel orange und einem Bild des Ganesha, das uns ganz wie früher kichern lässt.

Jetzt muss ich aber schnell ein bisschen Sahne in die Pfanne geben und es kann ans Würzen gehen. Salz, Piment d'Espelette, Mélange blanc von Ingo Holland (gab es ein Leben vor Mélange blanc?), ein paar Spritzer Zitronensaft und Zitronenschalenabrieb. Gewissensfrage: Worcestersauce, ja oder nein? Können wir ja auf den Tisch stellen, kann dann jede wie sie mag.

Ein paar frische Kräuter wären nett. Gaby bietet sich an, im noch frühlingshaften Garten mal nachzusehen. Sie kommt mit ein wenig Thymian und Petersilie zurück. Schön, dass sie sich mit sowas auskennt. Letzt habe ich Herrn susa gebeten, etwas Rosmarin zu pflücken, und er kam mit ein paar Blättern vom Ilex. Gaby rebelt die Thymianblättchen.

Während die Champignons nun im Ragout schmoren, werden die Kräuter zugegeben und unsere Exfreunde durchdiskutiert. Mein Ex, zu dem Gaby noch Kontakt hat, ist nun zum dritten Mal verheiratet und Lehrer. Und vollkommen humorbefreit, meint Gaby. Kann ich mir gar nicht vorstellen. Ihren Ex haben wir aus den Augen verloren. Hach weißt Du noch damals, als wir bei uns geschlafen haben und die beiden nachts über den Balkon zu uns ins Zimmer geklettert sind …

Über dem Geplauder ist die erste Fuhre Pastetchen zu dunkel geworden, wandert in den Mülleimer (aus den Resten kann man wirklich nichts mehr zaubern) und die nächste kommt ins Rohr. Vorsichtshalber setzen wir die Zeitschaltuhr auf 20 Minuten und verlängern das nun einzudicken drohende Ragout mit einem kräftigen Guss Champagner. Immer gerecht, ein Schluck ins Ragout, ein Schluck für uns.

Dann gibt Gaby sich ans Puddingkochen. Das Rezept ist denkbar einfach. Ein Tütchen Vanillepudding nach Packungsanweisung kochen, etwas auskühlen lassen. (Gut, dass ich für alle Fälle immer zwei Liter Bio-H-Milch im Vorrat habe, sonst wäre das auch noch knapp geworden. Nein, natürlich braucht man keine zwei Liter Milch.) Alles an alten Plätzchen, was man ihm Hause findet (wir mochten dabei aber nie welche mit Schokolade), grob zerbröseln. Und dann immer abwechselnd ein wenig Pudding und wieder ein wenig Plätzchen in eine Schüssel füllen und erkalten lassen. Gaby füllt erst mal zwei Portionen in Elchgläser, so kühlen sie schneller ab und so eine kleine Portion reicht ja auch. Wichtig ist, dass der Pudding gut durchziehen kann und die Brösel schön matschig werden.

Die Schüssel und Gläser stellen wir auf die Gartentreppe, damit der Pudding ausreichend Zeit hat, auszukühlen und fest zu werden. Dabei muss Besuchskater Bubi abgewehrt werden, der sich für alles interessiert, das ihn nix angeht. Nur nicht für Mäuse, da könnte er eigentlich mal aktiv werden.

Nun sind die Pastetchen perfekt aufgebacken, das Hühnerfleisch, das ja nur noch warm werden muss, wird kurz untergerührt und eingefüllt. Zitronenschnitz nicht vergessen! Wir können essen. Ein gemeinsames Essen ist genau wie ein Lächeln eine perfekte Verbindung von Mensch zu Mensch. Dabei muss es weder zelebriert noch ideologisch überhöht werden, sondern einfach nur genossen. Prima, dass Gaby genau wie ich nicht zu irgendeiner dieser neumodischen Foodsekten gehört, deren Anhänger jedem Bissen, der nach einem langwierigen Assessment Center den Durchbruch auf den Teller geschafft hat, nicht weniger als einen möglichen Angriff auf Leib und Leben unterstellen. Nicht die allerkleinste Unverträglichkeit und ein fröhliches "Ich ess eigentlich alles!" – hach ist das schön.

Was machst Du denn so?  Langsam wollen wir wieder kürzertreten. Die Kinder sind aus dem Haus, also hat Gaby wieder mit dem Klavier spielen angefangen. Und Du schreibst jetzt über Wein? Ja. Erzähl mal. Mein Hauptthema ist die Verbindung von Essen und Wein. Wein rundet ein gutes Essen erst ab. Und eigentlich ist Wein auch gar nicht zum solo trinken gemeint. Und wenn nun kein Wein passen will? Dann Champagner. Champagner, geht immer. Ohne Scherz, wenn gar kein passender Wein zur Hand ist, dann versucht einen Champagner oder Sekt. Schaumweine, leicht gekühlt und nicht zu fu**trocken, sind die perfekten Allrounder.

Die erste Flasche Champagner ist leer. "Soll ich die zweite noch aufmachen?" – "Oh ja" meint Gaby, "ich kann mir ja zurück ein Taxi nehmen und komme das Auto morgen abholen." – "Von mir aus kannst Du auch hier pennen". Wir ziehen Herrn susas Bett ab und beziehen es mit dem Gästebettzeug.

Bei der zweiten Flasche Champagner geht es an die Urlaubserinnerungen und "wir sollten mal wieder was zusammen unternehmen". Dann holen wir die Schüssel Pudding in unsere Mitte. Jede mit einem Löffel bewaffnet. So eeeeein Löffelchen geht ja wohl noch, schmeckt nach früher. Bis die Schüssel leer ist.

Später dann im Bett, auch ganz wie früher, das Licht ist schon gelöscht. Immer wenn gerade eine einschlafen will, kommt von der anderen Seite noch ein "Ach, weißt Du noch damals …".
 
Dann endlich Ruhe. Bis ich Gaby in die Rippen bohren muss: "Gaby, Du schnarchst!" Bohren zurück. "Susanne, Du auch!" Liegt sicher nicht am Pudding. Jetzt aber wirklich Gute Nacht.



Dieser Beitrag erscheint anlässlich des ZEIT Kochtags 2016, einem bundesweiten Aktionstag am 22. April, der Menschen dazu anregen soll, selbst zu kochen und sich mit ihrem Essen bewusst auseinanderzusetzen.


Die genauen Rezepte hinter dem Link:


Resteverwertungshühnerpastetchen (für 2 Personen)

200 gr. gegartes Hühner- oder Hähnchenfleisch
½ Porreestange, das Weiße
3-4 braune Champignons
1 Schalotte
100 ml Hühnerbrühe
150 ml Sahne
2 El Butter oder Butterschmalz
ein wenig Mehl
Salz, Piment d'Espelette, Mélange blanc
einige Spritzer Zitronensaft
etwas Weißwein (ersatzweise Champagner *gg)
Worcestersauce nach Belieben
4 Blätterteigpastetchen

Pastetchen nach Packungsanweisung aufbacken. Schalotte fein hacken, Butter in einer Pfanne schaumig werden lassen, Schalottenwürfel kurz anschwitzen, mit etwas Mehl bestäuben. Dann die Porreestreifen dazu geben. Kurz schmoren lassen und mit der Hühnerbrühe ablöschen. Einkochen lassen. Jetzt die Sahne dazugeben, alles einmal aufkochen lassen, Zitronensaft in die Masse geben. Mit den Gewürzen und Kräutern abschmecken. Zum Schluss noch ein wenig vom Koch/Köchinenwein dazu.

Masse in die aufgebackenen Pastetchen füllen und mit dem obligatorischen Zitronenschnitz servieren. Nach Belieben noch einen Spritzer Worcestersauce darüber geben.

Dazu passt Sekt oder Champagner. Oder Riesling; Riesling geht auch.

Kekspudding

1 Packung Vanillepudding (richtig studentisch ist es, wenn man einen ohne Kochen nimmt, haben wir aber nicht)
je nach Geschmack 3-6 Löffel Zucker (lieber weniger, die Plätzchen sind ja auch noch mal süß, mehr Zucker nur bei Liebeskummer)
½ l Milch
Keks- und Plätzchenreste

Pudding nach Packungsanweisung kochen. Alles an alten Plätzchen, was man ihm Hause findet grob zerbröseln. Und dann immer abwechselnd ein wenig Pudding und wieder ein wenig Plätzchen in eine Schüssel füllen und erkalten lassen.




Montag, 18. April 2016

Same procedure as every year ...


So wie any given Silvester Butler James über den Tigerkopf stolpert man nun in unserer Gegend an allen Ecken über die Spargelbüdchen.

Wir haben hier nicht nur den westlichsten Weinberg Deutschlands, sondern auch das westlichste Spargelanbaugebiet. Mit allem was dazu gehört, Spargelfest und Spargelkönigin. Komplett ist das Arrangement allerdings erst, wenn das Büdchen mV auch die frischen Erdbeeren und die neuen Kartoffeln anbietet. Was in diesem Jahr aber noch etwas dauert.

Zu den alljährlich wiederkehrenden Ritualen gehört auch die im Hause susa ewig mäandernde Diskussion ob der Zubereitung. Herr susa, ganz Purist und Traditionalist, mag seinen Spargel egal wie, solange klassisch mit zerlassener Butter und Dämpfkartoffeln serviert. Schinken kann man ja entweder vorher essen oder beiseiteschieben.

Ich bin da kulinarisch aufgeschlossener und würde so gerne mal ein paar andere Rezepte probieren. Aber das hieße dann zwei verschiedene Gerichte kochen, das ist umständlich.

Manchmal allerdings müssen die Herren zu ihrem Glück gezwungen werden. Und dass Herr susa sich zwingen ließ, verdanke ich unserer diesjährigen Spargelkönigin Pauline. Die kochte nämlich im WDR ein Spargelgericht, bei dem Spargel einfach nur gebraten wurde, mit Salz und Pfeffer gewürzt und über feinste Nudeln gegeben

"Das könntest Du auch mal machen". Ich traue meinen Ohren nicht. Lasse es mir aber auch nicht zweimal sagen. Aber einfach nur Spargel braten und über Nudeln schütten? Das ist mir nun doch zu banal und so setze ich ihm vor.

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